Junge drängen in den Grossen Rat

Wahlen - Grossratswahlen 2010

Michael Ehrler | 21.03.2011 | Artikel im Bieler Tagblatt

Der Grosse Rat wird jünger – und zwar dank dem Seeland. Den jüngsten Parlamentarier stellt die Region schon seit einem Jahr. Bald stellt die Region wohl auch die Mehrheit der unter 30-Jährigen.

Der Vormarsch der Jungen im Grossen Rat ist augenfällig. Fünf Grossräte haben seit der Wahl vor einem Jahr ihren Platz wieder geräumt, dreimal waren die nachrückenden Personen um mindestens 18 Jahre jünger als ihre Vorgänger. Zweimal ging die Verjüngungskur im Wahlkreis Seeland vonstatten. Urs Scheuss (35-jährig) ersetzte bereits zum Start der neuen Session Felicienne Villoz (54-jährig), in der Novembersession übernahm Emilie Moeschler (29-jährig) den Platz ihres Onkels Pierre-Yves Moeschler (58-jährig).

Krattiger steht bereit
Und ein weiterer Wechsel könnte bald dazukommen. Kann Corrado Pardini (45-jährig) im Herbst seinen Nationalratssitz verteidigen, würde mit Stefan Krattiger (27-jährig), dem Gemeindepräsidenten von Aegerten, ein weiterer Jung-Star in den Grossen Rat nachrücken. Es würde dazu führen, dass die Grossräte aus dem Wahlkreis Seeland jene aus dem Oberaargau in puncto Alter überholen würden und ihr Durchschnittsalter nur noch von den Abgeordneten aus dem Wahlkreis Bern unterboten würde. Mit Jan Gnägi, Emilie Moeschler und Stefan Krattiger kämen drei von fünf unter 30-jährigen Grossratsmitglieder aus dem Seeland. Vervollständigt wird das Quintett durch Nadine Masshardt (SP) aus Langenthal, die lange Zeit die jüngste im Rat war, sowie durch Erich Hess (SVP, Bern).

Stefan Krattiger selbst spielt die Bedeutung seines Alters herunter: «Seit meiner Wahl ins Gemeindepräsidium habe ich immer wieder gesagt: Jungsein allein ist noch kein politisches Programm.» So sei sein Alter in Aegerten zu Beginn noch ein Thema gewesen, jetzt müsse er aber Leistung zeigen wie alle anderen auch. Krattiger kommt es ganz gelegen, dass Corrado Pardini sein Mandat nicht schon auf die nächste Session niederlegt: «Das gibt mir Zeit, mich zu organisieren.» Krattiger arbeitet heute in einem 80-Prozent-Pensum bei der SP. «Bis zu den Wahlen im Herbst bin ich sowieso voll ausgelastet.» Nachher würde er sein Arbeitspensum für das Grossrats-Mandat reduzieren. Krattiger würde sich über weitere Junge freuen. «Der Grosse Rat soll das Abbild der Bevölkerung sein.» Dieses Ziel sei noch nicht erreicht: «Ich habe auf jeden Fall keine Angst, dass der Grosse Rat zum Kindergarten wird.»

Auch Jan Gnägi wünscht sich, dass der eine oder andere Junge noch ins Parlament nachrückt. Wichtig sei ein guter Mix. «Inzwischen ist dieser aber gar nicht so schlecht», meint Gnägi. Dass der Rummel um ihn selbst nachgelassen hat, bedauert er nicht. «Ich brauche das nicht.»

Junge auf Ersatzplätzen
Weitere Junge sind in Lauerstellung. Bei der SP ist der 31-jährige Daniel Hügli (Biel) hinter Krattiker auf dem zweiten Ersatzplatz, beim PSR würde die 25-jährige Charlotte Garbani bei der Demission von Michèle MorierGenoud nachrücken. Auch wenn bei den Grünen in dieser Legislatur Wechsel eher unwahrscheinlich sind, haben auch hier Junge bei den letzten Wahlen gut abgeschnitten. So belegt die 20-jährige Stefanie Richter (Büren) den zweiten Ersatzplatz bei den Grünen. Ein Name, den man sich jetzt schon merken sollte.