Doch keine Hochzeit

Gmeindsmuni - Fusionsprojekt Aegerten/Brügg

Adriana Curovic | 19.04.2011 | Artikel im Bieler Tagblatt

Aegerten und Brügg werden nicht fusionieren. Die Gemeinden sehen darin keinen Mehrwert.

Brügg und Aegerten pflegen seit Jahren eine gute Zusammenarbeit. Umso überraschender kam für viele die gestrige Medienmitteilung: «Kein Eintritt in Fusionsvorbereitung.» Das Fusionsprojekt wird beendet, bevor es richtig begonnen hat. Nachdem die beiden Gemeinden eine Machbarkeitsstudie über eine allfällige Gemeindefusion in Auftrag gegeben hatten, sind die Gemeinderäte nun zum Schluss gekommen, dass eine Fusion den Gemeinden keine «überwiegenden Vorteile» bringe. «Beide Gemeinden funktionieren sehr gut und werden das auch ohne Fusion weiterhin tun», sagt Stefan Krattiger, Gemeindepräsident von Aegerten.

Das Projekt könne keinesfalls als gescheitert bezeichnet werden, sagt der Brügger Gemeindepräsident Charles Krähenbühl. Man hebe lediglich festgestellt, dass diese Fusion nicht die «nennenswerten Mehrwerte» mit sich bringe, die sich bei anderen Gemeindefusionen herauskristallisiert hätten. «Warum etwas verändern, das gut funktioniert?», fragt Krähenbühl rhetorisch.

Dass die Fusion nicht zustande kommt, bedeutet aber nicht, dass die Gemeinden nicht weiterhin eng zusammenarbeiten.

Der Kanton unterstützt bei Fusionsverhandlungen Gemeinden finanziell. Auch Brügg und Aegerten erhielten einen Betrag für die Abklärungen. Dass die Fusion jetzt doch nicht zustande kommt, wird respektiert. Eine Vorlage zu Zwangsfusionen durch den Kanton kommt im November in den Grossen Rat.

(Fortsetzung)

Der Entscheidung der Gemeinden Aegerten und Brügg, nicht zu fusionieren, liegt eine im Jahre 2010 in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie zugrunde. Diese zeigt klar auf, in welchen Bereichen die Gemeinden von einer Fusion profitieren könnten. In diesem Fall jedoch kann kaum von «profitieren» gesprochen werden, aus der Studie geht hervor, dass die Gemeinden Aegerten und Brügg «fusionsneutral» sind. Dies, weil beide Gemeinden in der jetzigen Organisation sehr gut funktionieren. In der Verwaltungsorganisation wird geringes Sparpotential festgestellt, Einsparungen können folglich kaum gemacht werden. Auch das Dienstleistungsangebot ist in beiden Gemeinden gut ausgebaut und bedarf keiner Änderungen. Der bei Gemeindefusionen oft erwähnte Identitätsverlust mit der eigenen Gemeinde wurde im Rahmen der Studie zwar besprochen, man sei sich während der Projektgruppen aber näher gekommen, sagt Stefan Krattiger.

Ein langer Prozess
Bereits 2008 hatte man, danmals noch zusammen mit der Gemeinde Schwadernau, analysiert, ob und wie Synergien durch eine allfällige Fusion genutzt werden könnten und wie man die Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden verstärken könnte. Die kleinste der Gemeinden, Schwadernau, bekundete aber bald Bedenken und stieg noch vor Abschluss der Fusionsgespäche aus. Die beiden anderen Gemeinden aber blieben interessiert.

Weitere Zusammenarbeit

Die beiden Gemeinden werden sich zwar nicht vereinigen, führen aber die bereits bestehende Zusammenarbeit weiter. So haben die Sozialen Dienste Brügg bereits 2003 die entsprechenden Aufgaben für die Gemeinde Aegerten übernommen. Diese Zusammenarbeit beinhaltet unter anderem die Kinder -und Jugendarbeit und die AHV-Zweigstelle. Auch bei der Feuerwehr und dem Zivilschutz wird eng zusammengearbeitet.

«Wir sind weiterhin Partner», sagt der Brügger Gemeindepräsident Charles Krähenbühl. Er sei nicht enttäuscht über die nicht vollzogene Fusion. Die anfängliche Euphorie habe lediglich einer vernünftigen Entscheidung Platz gemacht.

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