Mit Facebook & Co. Wahlen gewinnen?

Parteisoldat - Artikel

Wer Wahlkampf macht, ist auf Facebook. Kaum wer mag sich noch ernsthaft verweigern. Dabei ist die Frage durchaus angebracht: Was bringt’s? Stefan Krattiger.

«Gemeindepräsi mit 26 – dank Facebook!» titelte «20 Minuten» am 29. November zu meiner Wahl als Aegerter Gemeindepräsident. Das ist gleichermassen übertrieben wie symptomatisch: Insbesondere beim Leitmedium der pendelnden und urbanen Jugend wirft man bei Stichworten wie «Facebook» oder «Twitter» jegliche Zurückhaltung über Bord. Die Errungenschaften des Web 2.0 werden medial «gehypt». Wahlen werden nämlich nach wie vor in der realen Welt gewonnen.

Damit wäre das Thema runtergekühlt. Als Bestandteil einer Gesamtkampagne können soziale Netzwerke aber durchaus den Unterschied ausmachen. Wenn wir von sozialen Netzwerken reden, meinen wir Facebook. Alle anderen Plattformen sind kaum verbreitet genug, um wahlkampftechnisch wirklich interessant zu sein. Die Gefahr, allzu viel Zeit in die Bestellung des virtuellen Ackers zu investieren und darob andere Elemente zu vernachlässigen, ist gross. Je nach Wahlkampf macht es mehr oder weniger Sinn, auf die Karte «Facebook» zu setzen.

Gemessen an der Gesamtheit aller Wählerinnen und Wähler ist der Kreis der «Facebook-Freunde» meist sehr überschaubar, selbst bei notorischen «Freunde»-Sammlerinnen und -sammlern. Facebook muss vor allem dann zum Thema werden, wenn der Wahlkreis vergleichsweise klein ist und sich entsprechend gut mit dem eigenen Bekanntenkreis deckt. Kandidiere ich in Aegerten, zähle ich fünfzehn Prozent der Stimmberechtigten zu meinen «Freunden». Das eröffnet Möglichkeiten. Kämpfe ich hingegen in einem kantonalen Wahlkreis um den Einzug in den Nationalrat, schrumpft dieser Prozentsatz gegen null.

Auch das wahllose Anhäufen von «Freunden» ist nicht wirklich erfolgsversprechend. Facebook macht einen kaum bekannter, sondern erleichtert lediglich den «Zugriff» auf Leute, die man «real» bereits kennt. Diese lassen sich dann in erhöhter Kadenz bearbeiten, womit auch die Wahrscheinlichkeit steigt, dass der eine oder die andere dann auch tatsächlich wählen geht. Facebook ist kein Überzeugungs-, sondern ein Mobilisierungsinstrument.

Auf den Punkt gebracht: Bei lokalen Wahlen mit einem überschaubaren Wahlkreis kann Facebook wahre Wunder wirken. Muss aber nicht. Facebook zu nutzen ist das eine – es richtig zu nutzen, das andere.

Artikel im «links» (103) | Ausgabe als PDF

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