«Löcher stopfen statt Renten kürzen!»

Interviews

Statt Rentenkürzungen auf Vorrat, sollen die Versicherungsgesellschaften lieber endlich ihre Hausaufgaben machen – die Berner Ständerätin Simonetta Sommaruga erklärt im Gespräch mit mir, weshalb sie gegen eine erneute Senkung des Umwandlungssatzes ist. Simonetta Sommaruga, interviewt von Stefan Krattiger. «links» 106.

Warum sollen wir am 7. März «Nein» sagen zur Senkung des Umwandlungssatzes?
Das Parlament hat erst 2005 eine Rentensenkung beschlossen. Diese haben wir mitgetragen, weil sie nötig war. Jetzt die Renten schon wieder massiv zu kürzen, das geht nicht – zuerst muss jetzt aufgeräumt werden.

Konkret?
Bei der Zweiten Säule läuft einiges schief, das endlich korrigiert werden muss. Am schlimmsten sind die gewaltigen Verwaltungskosten. Die Pensionskassen geben pro Jahr und Versicherten durchschnittlich über 700 Franken für Verwaltung und Beratung aus. Bei der AHV sind es nur gerade 25 Franken. Da gibt es grossen Handlungsbedarf und die Sparmöglichkeiten sind enorm. Zweitens muss endlich transparent gemacht werden, was die Versicherungen für sich behalten. Da ist die SP seit langem aktiv. Wir wollen sicherstellen, dass die Versicherten in wirtschaftlich «guten» Jahren auch etwas von den Börsengewinnen bekommen.

Das ist heute nicht der Fall?
Nein. Kaum läuft’s an der Börse nicht so gut, will man die Renten senken. Ohne uns zu sagen, was mit dem Geld in den «guten» Jahren passiert ist. Dieses kommt nämlich vor allem den Aktionären zugute und wird in laufend steigende Boni für Manager gesteckt. Zudem haben die Pensionskassen in den vergangenen Jahren mit riskanten Anlagen massiv Vermögen vernichtet – fast zehn Milliarden Franken, die weg sind. Da braucht es klare Vorgaben, insbesondere zur Begrenzung von teuren Hedge-Fonds, bei denen die Pensionskassen oft mit kaskadenartig konstruierten versteckten Gebühren belastet werden. Als Versicherte will ich nicht, dass mit meinem Geld spekuliert wird!

Die Renten sollen nicht gekürzt werden – werden dadurch die Pensionskassen nicht gezwungen, riskanten Anlagen zu tätigen?
Das behaupten die Versicherungsgesellschaften und ihre zahlreichen Berater. Die letzten zwanzig Jahre haben aber das Gegenteil bewiesen: Mit spekulativen Anlagen haben die Kassen viel Geld verloren. Geld übrigens, das den Versicherten gehört hat. Mit einer konservativen Anlagepolitik lassen sich unsere Altersguthaben am besten bewirtschaften. Ich weiss, dass gerade Banken ihre eigenen Pensionskassengelder sehr konservativ anlegen. Das sagt doch einiges.

Auf Nummer Sicher gehen, also?
Genau. Wer in den letzten zwanzig Jahren in seinem Portefeuille 25 Prozent Aktien und 75 Prozent Obligationen hatte, kam auf eine durchschnittliche Jahresrendite von über sechs Prozent. Weit mehr also als die gut vier Prozent, die für die Sicherstellung der Renten notwendig sind.


Aber jetzt sind die Zeiten ökonomisch schwieriger…
Auffallend ist, dass Versicherer sagen, die vier Prozent seien nicht zu erreichen – ihren eigenen Aktionären aber versprechen sie gleichzeitig Renditen von 15 oder 16 Prozent  und zahlen diese zum Teil sogar aus. Widersprüchlicher geht’s fast nicht.

Trotzdem: Die Lebenserwartung steigt. Da muss das Geld länger reichen.
Ja klar. Es ist ganz in unserem Interesse, dass das Geld reicht, dass die Renten gesichert sind und nicht auf Kosten der Jüngeren ausbezahlt werden. Genau deshalb haben wir der Senkung der Renten im Jahr 2005 zugestimmt. Auch wir wollen der erhöhten Lebenserwartung Rechnung tragen. Und mit der Erhöhung des Frauenrentenalters hat man die Pensionskassen zusätzlich entlastet. Das heisst. Wir bieten Hand für unausweichliche Anpassungen, aber diese erneute Senkung ist schlicht unnötig. Zuerst müssen die Löcher im System gestopft werden.

Was wären die Folgen eines «Ja»?
Die Rentnerinnen und Rentner haben künftig weniger Geld im Sack. Über die ganze Bezugsdauer gesehen, geht es dabei rasch um Zehntausende von Franken. Gerade Menschen mit tiefen und mittleren Einkommen würde es besonders hart treffen, weil diese neben der Pensionskasse und der AHV häufig keine starke dritte Säule haben.

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Kommentare (2)Add Comment
genau.
geschrieben von Stefan Krattiger, 07. Februar 2010
Danke, Christian. Dem bleibt eigentlich nichts mehr hinzuzufügen! Hoffen wir das Beste!
Rentenklau
geschrieben von Christian Koch, 07. Februar 2010
Guten Abend Stefan,
ein Nein am 7. März ist ein muss, warum? die Pensionskassen haben über Jahre leichtsinnig Geld an der Börse verspekuliert und wurden dabei von den Banken noch bezahlt für die Freigabe unserer Pensionskassengelder. Diese Dealer müssten zuerst an die Kasse genommen werden, d.h. Sie sind verantwortlich das soviel Geld an der Börse verspekuliert wurde. Heute jammern alle, aber diese Herren haben kassiert für etwas das Sie nie machen durften. Unser Geld gehört uns, also muss es im Sinne des Beitragszahlers angelegt werden und nicht der Spekulanten. Diese von Beruf Geldvernichter müssen beseitigt werden, denn wir Beitragszahler sind am Ende die Leittrangende. Es hätte genug Geld für die Pensionierten wenn die geldgierigen nicht frei über diese Summen verfügen könnten. Ein NEIN ist ein muss, sonst bereichern sich noch viel mehr Schmarotzer am Pensionskassengeld.( Versicherungen, Banken und Gelddealer.

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