Die Aufregung hat sich noch nicht gelegt

Gmeindsmuni - Öffentlicher Verkehr

Irène Kost | 07.01.2010 | Artikel im Bieler Tagblatt | PDF |

Beim Fahrplanwechsel haben die Aare-Seeland mobil und die Postauto AG drei Buslinien der Verkehrsbetriebe Biel übernommen. Der Ärger der Fahrgäste ist gross.


«In der ersten Woche hatten wir Verspätung, jetzt haben sie sich gelegt», sagt Edwin Spiess, Chauffeur der Linie Biel–Meinisberg. Trotz ausgeteilten Infozetteln wusste kaum jemand, dass das Tarifsystem anders als bei den Verkehrsbetrieben Biel (VB) war und sie die Billette nicht mehr selbst im Bus lösen konnten. Dazu kam die allgemeine Hektik der Vorweihnachtszeit. «Ein Wechsel im Sommer wäre wohl besser gewesen», resümiert Spiess. Inzwischen habe sich die Situation beruhigt, einige ältere Kunden seien gar froh, wieder die Mehrfahrten-Karte zum Abstempeln zu benutzen statt der elektronischen Chipkarten.

1,2 Millionen gespart

Auf den Fahrplanwechsel Mitte Dezember liefen die Betriebskonzessionen für die Linien von Biel nach Meinisberg, Pieterlen und Lyss ab. Der Kanton Bern hatte die drei Strecken Anfang 2008 öffentlich ausgeschrieben, und die VB hatten das Nachsehen. Sie wollten sich dem nationalen Tarif nicht anpassen. Da kein überregionaler Tarifverbund besteht, wurden einige Strecken teurer (BT vom 19.12.2009).

Die beiden anderen Betreiber machten die bessere Offerte. «Auf den drei Linien macht dies 1,2 Millionen Franken aus», sagt WolfDieter Deuschle, Leiter des Amts für öffentlichen Verkehr Bern (AöV). «Diese Ersparnisse fliessen in einen Topf zur Verbesserung im öffentlichen Verkehr.

In Biel zum Beispiel in den Ausbau der Buslinien 7 und 8.» Die VB strich die frühen Morgen- und späten Abendkurse auf der Linie 11 (Biel-Vingelz-Alfermée), weil dies vom AöV verordnet worden war. Die Minimalvorgaben der kantonalen Angebotsordnung sollten so erreicht werden. «Eine bodenlose Frechheit», finden dies die Vingelzer, sagt Stadtrat Roland Gurtner (PAS), der im Quartier lebt.

Mitte Dezember reichte er bereits eine Interpellation dazu ein und der Vingelzer-Leist hat in knapp vier Wochen schon mehr als 200 Unterschriften gesammelt, um seinem Unmut Ausdruck zu verleihen.

Der erste Wechsel

Die Aare-Seeland mobil (ASm) übernahmen die Fahrpläne der VB, die Postauto AG von Biel nach Lyss wechselte auch diese. So fährt die Nummer 74 (Biel-BrüggAegerten-Studen-Worben-Lyss) gerade zwei Minuten vor der Nummer 75 (Biel-Brügg-Aegerten-Schwadernau-Scheuren) und nicht mehr wie bisher alternierend. «Wieso hat man alles auf den Kopf gestellt, wo man bis anhin zufrieden war?», fragten sich die Aegerter. Am Anfang sei gar «Aegerten» an der Haltestelle falsch geschrieben gewesen, sagt Stefan Krattiger, Gemeindepräsident von Aegerten. Die Passagiere vermissten auch die Zeitanzeige, wie lange es dauert, bis der nächste Bus kommt, weil diese bei den Postautos technisch nicht kompatibel ist. «Die Aufregung war gross, weil es zum ersten Mal einen Betreiberwechsel gab», sagt Krattiger. Zusammen mit den Gemeindepräsidenten von Studen, Worben und Brügg hat er ein Schreiben an die Postauto AG gerichtet. Die Antwort war nicht befriedigend: «Das würde man in den Griff bekommen und wir sollten uns nicht wie Kleinkinder gebärden», fasst er zusammen. Nun hofft er, dass Ende Januar ein Treffen mit der Postauto AG stattfindet und die Gemeinden ihre Anliegen vorbringen können.

Der Rekurs der VB sei ebenfalls noch hängig und man versuche, das Beste aus der Situation zu machen. Die Reklamationen kamen auch Wolf-Dieter Deuschle zu Ohren. Er sei froh um die Rückmeldungen, die beiden Betreiber hätten vom Kanton seither Auflagen zur Verbesserung erhalten.

Bonbons für Busfahrer

«Als Buschauffeure sind wir Ansprechperson für die Fahrgäste und hören dies und jenes», sagt Jakob Gyger. Er fährt seit dreieinhalb Jahren Postauto, früher war er bei den VB. Jetzt fährt er wieder auf seiner beliebten und bekannten Strecke Biel–Lyss. Die ersten Tage, ja, das sei Stress gewesen. «Am 14. Dezember hatte ich den ganzen Tag Dienst. Trotz Entlastungsbussen während der Stosszeiten hatten wir neun oder zehn Minuten Verspätung.» Für die gleiche Strecke hatte er vor Jahren 40 Minuten, heute hat er noch 29 oder 24 Minuten (mit Auslassung einer Haltestelle), das sind eine Minute in Biel zum Wenden und sechs Minuten in Lyss. Ohne Vollgas zu geben, schafft er es ohnehin nicht. Die Postauto AG gewährt Anschluss in Lyss und Biel. Dies kommt bei Fahrgast Sibylle Burg sehr gut an: «Vorher verpasste man meist den Zug in Lyss.»

Eine Mitfahrerin legt dem Chauffeur zwei Bonbons auf die Kasse und wünscht ihm «ein gutes Neues Jahr». Gyger bedankt sich, lächelt und sagt: «Ich bin sehr glücklich und kann wieder lachen beim Arbeiten.» Inzwischen habe sich die Aufregung gelegt, nur noch Einzelne würden provozieren, sagt er. Statt der Entlastungsbusse werden die Chauffeure sporadisch von Kassierern begleitet. Eine Übergangslösung. Man habe die Probleme erkannt und suche nach Lösungen. Kostenaufwand und Ertrag müssten abgewogen werden.

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