Fünf Seeländer Romands im Parlament

Person - Grossratswahlen 2010

Claudia Kenan | 30.03.2010 | Artikel im Bieler Tagblatt

Mit Stefan Krattiger (SP) und Hubert Klopfenstein (FDP) mussten zwei Politiker ihren Grossratssitz einem Welschen übergeben. Grund dafür ist die Romandquote.

Porsche-Fahrer Hubert Klopfenstein verglich sich nach Bekanntgabe des Wahlresultats mit einem Formel-1-Athleten. Über stärkere Antriebskraft kann sich der abgewählte FDP-Grossrat jedoch nichtfreuen: Klopfensteins Gefährt hatte, wie er es selbst bildlich ausdrückte, nämlich «die falschen Reifen». Deshalb sei er «disqualifiziert» worden, beschrieb Klopfenstein seine Gemütslage unmittelbar nach den Grossratswahlen vom Wochenende.

Anders ausgedrückt: Hubert Klopfenstein trat für die «falsche» Partei an. Der Bieler Baudirektor, der seit 2006 im Grossen Rat des Kantons Bern politisiert und im Wahlkreis Biel-Seeland gewählt wurde, kandidierte für die FDP. Sein Name stand also auf einer deutschsprachigen Liste. Da im Wahlkreis Biel-Seeland von den insgesamt 26 Sitzen drei den Romands garantiert sind, muss zuweilen ein laut Stimmenanzahl gewählter Deutschschweizer zugunsten eines Romands verzichten. Als Romand zählt, wer auf einer welschen Liste kandidiert.

Weniger Stimmen für Sitz
Dieses Jahr traf es Hubert Klopfenstein. Mit seinen 4770 Stimmen hätte er die Wiederwahl in den Grossen Rat zwar geschafft. Da er aber hinter Peter Moser (5350 Stimmen) und Adrian Kneubühler (5303) nur das drittbeste Resultat erzielte, ging sein Sitz an die französischsprachige Schwesterpartei PRR. So will es die 2002 eingeführte Romandquote, die im Wahlkreis Biel-Seeland zur Anwendung kommt.

Im Falle von FDP und PRR profitierte PRR-Kandidat Pierre-Yves Grivel. Der wiedergewählte Grivel erzielte mit seinen 2682 Stimmen 2088 weniger als Klopfenstein. Ähnlich die Situation bei den Sozialdemokraten, der zweiten Partei, die sowohl mit einer deutschen als auch einer welschen Liste antrat. Der SP-Gemeindepräsident von Aegerten Stefan Krattiger (4910) musste zugunsten seiner PSR-Genossin und bisherigen Grossrätin Michèle Morier-Genoud (2641) verzichten. Dies obwohl Krattiger aufgrund der Stimmenanzahl den Sprung in den Grossen Rat geschafft hätte. Auch er erzielte auf der Liste der gewählten SP-Kandidaten das schlechteste Resultat.

Ähnlich wie beim Proporz
Krattiger  gibt  sich  tags  darauf jedoch gelassen. Der Jungpolitiker vergleicht die Romandquote mit dem Proporzsystem: «Auch beim Proporz werden nicht nur diejenigen mit den meisten Stimmen gewählt.» Ihm seien die Spielregeln bekannt gewesen und er habe die Quote anerkannt. Von dieser Haltung weicht er auch als Quotenopfer nicht ab. Ausserdem habe er als erster Nachrückender gute Chancen, während der Legislatur doch noch in den Grossen Rat zu kommen. Diese Situation kennt Ueli Scheurer (SP) aus eigener Erfahrung. Vor vier Jahren musste er seinen Sitz zugunsten eines welschen Kandidaten räumen. Während der Legislatur rückte Scheurer in den Grossen Rat nach. «Die drei garantierten Sitze für die Romands sind als Minderheitenschutz sinnvoll», hält er klar fest. «Dennoch sehe ich eine Schwierigkeit in der Umsetzung.»

Dass nur diejenigen als Frankophone gelten, die auf einer welschen Liste kandidieren, sei nicht nachvollziehbar. Grund: Da nur die Sozialdemokraten und die Freisinnigen mit einer welschen Liste anträten, müssten auch nur sie ihre Sitze zugunsten von Romands räumen – egal wie viele Romands auf gemischten Listen gewählt  würden. «Es muss eine bessere Lösung her», so Scheurer, «wie diese aussehen könnte, weiss ich aber auch nicht.»

Mit ein Grund für die Schwierigkeit sei, dass Welsche, die, wie die Wiedergewählte SVP-Grossrätin Béatrice Struchen auf einer gemischtsprachigen Liste kandidierten, bei einem allfälligen Rücktritt keine welschen Nachrückenden hätten.

Mehr Sitze als garantiert
Aus eigenen Stücken schaffte es am Wochenende auf einer welschen Liste lediglich der Bieler Gemeinderat Pierre-Yves Moeschler (SP, bisher) in den Grossen Rat. Ebenfalls aus eigenen Stücken, jedoch auf gemischten Listen und deshalb nicht als Teil der Romandquote, wurde neben Struchen Félicienne Villoz-Muamba (Grüne, bisher) gewählt. Damit vertreten fünf Welsche Biel und das Seeland im Kantonsparlament.

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