Das bittere Nichtstun

Parteisoldat - Rotstich-Glossen

Früher gab es den Hofnarren. In Jux und Tollheit gewickelt, durfte er unbequeme Wahrheit in Worte packen. heute gibt es den Glossenschreiber. Die SP hat die Wahlen in Bern nicht gewonnen und selbst das «Verbrösmele» der FDP zur Kleinpartei vermag kaum mehr Trost zu spenden. Als postelektoralen Therapie wird nach Gründen geforscht. Einigkeit besteht, dass es nicht an der gelungenen kantonalen Kampagne gelegen haben dürfte. Immerhin. Alternativen? Flugs wird die längst verkochte Richtungsdiskussion in der innerparteilichen Mikrowelle aufgewärmt. Einmal mehr. «Zu links» sagen die einen, «zu mittig» die anderen – so oder so sachkundig ermuntert vom mitteilungsbedürftigen und sendungsbewussten Expertentum.

Was, wenn das Problem nicht programmatischer, sondern handwerklicher Natur war? Wo war die SP? Nein, Schuld haben nicht die bösen Medien, die uns mit Nichtbeachtung gepeinigt haben, sondern wir. Zurückgezogen im urbanen Réduit, während die beiden eineiigen Rechtsaussen-Zwilinge (wovon der eine lediglich ein bisschen besser erzogen ist) jedes Garagentor, jeden Acker und jeden Heuballen mit Propaganda zugepappt haben. Und wir? Erstarrt, wie das Kaninchen vor der Schlage, während sich SVP und BDP gegenseitig fröhlich jauchzend zu ungeahnten Höhen aufschaukeln.

Von Beginn weg im Hinterkopf: Wir werden verlieren! Nicht in allen Köpfen, nein, aber in zu vielen. Ambitionen? Schwach augeprägt. Angst lähmt. Ein Beispiel gefällig? Ein lokales Medium verspricht ein Plätzli an der wärmenden Mediensonne. Eine Chance? Pustekuchen. Der Genosse lehnt peinlich berührt ab. Sooo ernst hat er das ja schliesslich gar nicht gemeint, mit der Kandidatur. Ein Einzelfall? Vielleicht, aber symptomatisch ist’s alleweil. Wahlkampf ist anders.

Glosse im «links» (109) | Ausgabe online lesen

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