Auf zur Metzgete

Gmeindsmuni - 1. August

Stefan Krattiger | 30.07.2010 | Carte Blanche im Bieler Tagblatt

«Du hältst eine August-Rede?» In der Frage schwingt Erstaunen mit. Der 1. Mai der SP, der 1. August der SVP. Sauber abgesteckt, wie ein Schrebergärtli. Und jetzt kommt der Linke und trampt ins sorgfältig gehegte, fremde Beetli. «Links» plus «Bundesfeiertag», das will nicht so recht passen. Auch für einige meiner politischen Couleur nicht. Als wären wir politische Veganer und der «Erscht Ougschte» eine judihui-patriotische Metzgete.

Ein Rückspiegel-Patriot bin ich nicht, sehr gerne Schweizer aber schon. Was spricht also dagegen, am 1. August zu feiern? Hier sind meine Wurzeln – Menschen, Orte und Erinnerungen, die mir lieb und teuer sind. Heimat halt. Und ja, ich habe mitgefiebert, mich gefreut, als wir uns «Europameisterschafts-Sieger-Besieger» nennen durften und mich geärgert, als uns anschliessend die WM-Felle davongeschwommen sind. Habe den Kopf geschüttelt, als Gaddafi unsere Schweiz stückliweise verteilen wollte, als wäre sie eine Schwarzwäldertorte.

Gesunder Patriotismus hat nichts Anrüchiges. Wohl aber blinder Nationalismus, der uns über alle anderen stellt. Natürlich, ab und an hadere ich mit meinem Land (und übrigens auch mit meiner Partei), ärgere mich – um mich dann wieder zu versöhnen. Die Schweiz ist nicht perfekt, aber fähig, noch besser zu werden. «Nicht das liebe ich, was du bist, nicht das was du warst, aber deine Möglichkeit liebe ich, die Gnade, die immer hell über dir schwebt.» So hatte es Fritz Dürrenmatt einst in Worte gegossen. Treffend, wie immer.

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