Gemeinden gemeinsam für die Umwelt

Gmeindsmuni - Öffentlicher Verkehr


14.07.2010 | Artikel im Bieler Tagblatt

Sechs Gemeinden der Agglomeration Biel setzen auf umweltfreundliche Mobilität. Mit «Mobiclick» haben sie eine neue Anlaufstelle geschaffen. Ziel ist die Förderung des öffentlichen und nicht motorisierten Verkehrs.

«Bevor jemand ins Auto steigt, sollte er sich fragen, ob dieses Verkehrsmittel für die geplante Fahrt überhaupt geeignet ist.» Der Satz kommt nicht etwa aus dem Munde eines eingefleischten Umweltaktivisten, sondern diese Frage stellt sich der freisinnige Stadtpräsident von Nidau, Adrian Kneubühler. Die Gemeinden Nidau, Biel, Brügg, Aegerten, Meinisberg und Ipsach haben beschlossen, gemeinsam ein starkes Zeichen für umweltfreundliche Mobilität zu setzen. Gestern stellten sie ihr Projekt «Mobiclick» vor. Es ist Teil des Agglomerationsprogramms des Vereins seeland.biel/ bienne zur Bekämpfung der Verkehrsprobleme und der steigenden Umweltbelastung, die durch den motorisierten Individualverkehr entstehen.

200 000 Franken investiert

Das Pilotprojekt ist auf zwei Jahre angesetzt und kostet 200 000 Franken, die von den sechs beteiligten Gemeinden aufgebracht werden.

Informationen gebündelt

«Das Internetportal ‹mobiclick.ch› ist unser Hauptwerkzeug», erklärt Geschäftsführer Jonas Schmid. «Auf unserer Internetplattform finden die Besucher Hilfestellungen sowohl über den öffentlichen als auch über den Velo-, Fuss- und Autoverkehr.» Ein Grossteil der Informationen war im Internet schon bisher verfügbar – allerdings verteilt auf zahlreichen Internetseiten von Bund, Kanton, Gemeinden, Organisationen und Unternehmen. Die übersichtliche Verlinkung auf «mobiclick.ch» ist die eigentliche Neuerung. In Zukunft muss man sich nur noch eine Internetadresse merken, wenn es um Mobilität in der Region Biel geht.

Bürger sensibilisieren

Die sechs beteiligten Gemeinden wollen die Bürgerinnen und Bürger auf das Thema Mobilität ansprechen und so dazu beitragen, dass der motorisierte Individualverkehr nicht weiter ungebremst zunimmt. «Das gesamte Verkehrsaufkommen steigt um rund ein Prozent pro Jahr. Wir wollen, dass diese Zunahme durch den öffentlichen Verkehr bewältigt wird und nicht durch immer mehr motorisierten Individualverkehr», bekräftigt Ruedi Hartmann, Präsident von seeland.biel/bienne.

Firmen im Visier

«Mobiclick» wendet sich nicht nur an das breite Publikum: Besonders im Blickfeld der Verantwortlichen ist die Wirtschaft. «Wir bieten Unternehmen eine kostenlose Analyse für ihr Mobilitätsmanagement an. Energie Schweiz hat dargelegt, dass der motorisierte Berufsverkehr bis zu 40 Prozent gedrosselt werden könnte, sofern die Unternehmen voll mitspielten. Es geht dabei nicht nur um ein Anliegen für die Umwelt: Firmen, die ein konsequentes Mobilitätsmanagement betreiben, sparen nämlich Geld. Unternehmen, die ihre Mobilitätsbedürfnisse optimieren, können von ‹Mobiclick› sogar eine finanzielle Unterstützung erhalten», verspricht Schmid.

Die sechs Agglomerationsgemeinden wollen ihre Bürger zum Mitmachen anregen. Deshalb finden anlässlich der Europäischen Mobilitätswoche vom 16. bis 22. September verschiedene Anlässe statt. Dafür werden Einzelpersonen und Familien gesucht, die zwei Wochen lang ihr Auto in der Garage lassen und sich mit dem öffentlichen Verkehr, dem Velo, dem Elektrovelo oder zu Fuss fortbewegen. Den Teilnehmenden winken attraktive Preise.

 


Vorbildliche Gemeindepräsidenten

Zum Auftakt des Projekts «Mobiclick» trafen sich die Gemeindepräsidenten von Meinisberg, Ipsach, Aegerten und Nidau gestern um 8 Uhr in Aegerten. Von dort aus wählten die Politiker selber, wie sie ohne Auto nach Meinisberg gelangten. Dort wurde das Projekt den Medien vorgestellt. Der Gemeindepräsident von Ipsach, Bernhard Bachmann, hatte ein Elektrovelo gewählt. Nach 18 Minuten traf er unverschwitzt im acht Kilometer entfernten Meinisberg ein. Rudolf Steiner, Gemeindepräsident von Meinisberg, benutzte die öffentlichen Verkehrsmittel via Biel.

Der Nidauer Stadtpräsident Adrian Kneubühler hatte den ersten Teil des Weges von Aegerten nach Brügg zu Fuss zurückgelegt. Dann nahm er den Zug bis nach Biel. Schliesslich nutzte er die Buslinie 72 zum Zielort.

Stefan Krattinger aus Aegerten fuhr mit der Buslinie 75 nach Scheuren. Dann ging es zu Fuss nach Orpund, wo er eine halbe Stunde auf den Bus 72 warten musste. «Schade, gibt es dort keine Beiz», so Krattiger.

 

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