Die Jüngsten ziehen erste Bilanz

Gmeindsmuni - 100-Tage-Bilanz als Gemeindepräsident

 

 

 

 

Samuel Thomi | 10.04.2010 | Artikel in der Mittelland-Zeitung

Vor rund 100 Tagen traten Mario Stegmann aus Studen und Stefan Krattiger aus Aegerten ihre Ämter an. Die zwei jüngsten Berner Gemeindepräsidenten über ihren Einstand an der Spitze.

Zwei Männer im Seeland – je seit 100 Tagen an der Spitze ihrer Gemeinden – zogen gestern auf Einladung eine erste Bilanz. Nichts Weltbewegendes eigentlich, ein Gespräch zwischen zwei Gemeindepräsidenten und einem Journalisten. Ausser, dass die zwei Präsidenten jung sind. In dem Fall sogar sehr jung für ihr Amt, das sonst vorab Herren fortgeschrittenen Alters vorbehalten ist.

Plötzlich alleine

Mario Stegmann, 25, wurde letzten November im zweiten Wahlgang gegen den BDP-Kandidaten und aktuellen Vize- zum neuen Gemeindepräsidenten Studens gewählt. Bereits zwei Monate früher als der Freisinnige schaffte Stefan Krattiger , 26, die Wahl an die Spitze der Nachbargemeinde Aegerten. Der SPler vereinte 65 Prozent Wähleranteile auf sich und trat damit in die Fussstapfen eines Genossen.

Nun, beide waren da längst keine Polit-Greenhorns mehr – sie sassen zuvor je fünf respektive sechs Jahre in den Bieler Agglo-Gemeinden in der Exekutive. Und trotzdem ging es plötzlich sehr schnell nach ganz oben: «Manchmal fühlt man sich an der Spitze auch ein bisschen einsam, das ist eine neue Erfahrung», sagt Krattiger . «Als Gemeinderat gab es immer noch einen Präsidenten, der etwa die Geschäfte nach aussen vertrat.» Spricht er jetzt, gilt das als die Haltung der Gemeinde. Ein erstes solches Beispiel seit Jahresbeginn: Eben musste der hauptberuflich in der Kampagnenabteilung der SP Schweiz Angestellte seinem 1800-Seelen-Dorf die Zusammenlegung der Schulleitung mit jener Studens unterbreiten.

«Dass man mich kennt im Dorf, wusste ich», so Stegmann. «Jetzt werde ich aber mit Namen gegrüsst», fällt ihm auf. Plötzlich seien alle freundlich: «Die Bedeutung des Amtes habe ich unterschätzt», fügt der Jurist an. Neben einem Teilzeit-Job in einer Kanzlei will er sich bald auf die Fürsprecher-Prüfungen vorbereiten. Wie Krattiger hält er rund ein Tag pro Woche für die Gemeinde frei. Hinzu kommen Abendsitzungen und Ausserordentliches: «Die Wohnsitzpflicht schränkt zwar ein.» Dass andere in diesem Alter auf Weltreise gehen, stört ihn nicht: «Das kann ich nachholen.» Politisch hat Stegmann Brisantes vor. «Komplizierte Gemeinde-reglemente» will er überarbeiten. Jene Aegertens könnten ein Vorbild sein. Eben wurde ferner eine Industriezone erschlossen, um Firmen anzusiedeln: «Wir gehen nun auf die Suche.» Auch Aegerten soll wachsen, so Krattiger . Die Ortsplanungsrevision ist über die Bühne, jetzt soll attraktiver Wohnraum für neue Steuerzahler entstehen.

Fusion? «Nichts überstürzen»

Kommen die zwei Jüngsten so gut miteinander aus, rückt die immer- währende Frage einer Gemeindefusion in den Fokus. Politologe Krattiger brächte zudem das fachliche Rüstzeug mit; für seine Lizenziatsarbeit an der Uni Bern untersuchte er die Bedeutung emotionaler und kultureller Faktoren bei Fusionen. «Nichts überstürzen» werde er. Zuerst will er die Machbarkeitsstudie zur Fusion mit Brügg ennet der Aare abwarten. «Eine Fusion mit Studen ist derzeit kein Thema. Wir führen keine Schattenfusionsgespräche.» Stegmann, dessen Vorgänger sich noch klar gegen Aegerten aussprach, sieht «wie in jeder Fusion Vor- und Nachteile». Als Vertreter der mit knapp 3000 Personen grösseren «Braut» will er erst recht «nichts überstürzen». Und: «Die Gemeinden wären beide gross genug zum Überleben.» Wenn schon, solle man in Projekte auch weitere Gemeinden einbeziehen.

Verankerung im Dorf

Auf die Frage, warum letztes Jahr gleich zwei junge Gemeindepräsidenten und mit dem BDPler Jan Gnägi am 28. März nebenan auch der jüngste Grossrat im Seeland gewählt wurde, finden beide keine rasche Antwort. Ihre Wahlen hätten sicher mit der Verankerung im Dorf zu tun, mit solider Arbeit in den Gemeinderats-Jahren, mit auf junge und ältere Generationen ausgerichteten Kampagnen. Dass ferner beide den Trend der Mutterparteien als Verlierer widerlegten, fällt erst im Gespräch richtig auf. «Auch wenn ich immer wieder darauf angesprochen werde: Parteipolitik spielt im Dorf nicht eine grosse Rolle», so Stegmann.

Kommentare (1)Add Comment
Jaimez
geschrieben von pozycjonowanie cennik, 19. April 2011
526 Jaime August 1986 pozycjonowanie

Kommentar schreiben
kleiner | groesser

busy