Lyss und Busswil als Warnung

Gmeindsmuni - Fusionsprojekt Aegerten/Brügg

Marco Oppliger |13.08.2010 | Artikel im Bieler Tagblatt

Langsam, aber sicher gilt es für Brügg und Aegerten ernst. 2011 entscheidet sich, ob die zwei Gemeinden fusionieren. Dabei wollen sie die Lehren aus der umstrittenen Fusion von Lyss und Busswil ziehen.

Drei Brücken verbinden Aegerten und Brügg. Über die eine rollt die Eisenbahn, über die zweite führt die Autostrasse und über die dritte die Hauptstrasse, hier laufen aber auch die Fussgänger von einem Dorf zum anderen. Viele Brügger und Aegerter kennen sich. Man grüsst sich und spricht zusammen.

Nun wollen die beiden Gemeinden das gute Verhältnis untereinander vertiefen und prüfen deshalb eine Fusion (das BT berichtete). Vor zwei Jahren erarbeiteten Aegerten und Brügg deshalb eine Vorstudie, welche die Chancen und Risiken einer vertieften Zusammenarbeit oder einer Fusion aufzeigen sollte. Neben den beiden Nachbardörfern beteiligte sich auch Schwadernau daran. Doch die kleinste der drei Gemeinden stieg nach Abschluss der Vorstudie aus den Fusionsgesprächen aus. Der Schwadernauer Gemeinderat befürchtete unter anderem einen Verlust der Selbstbestimmung. Bei den Aegerter und Brügger Behörden war dies nicht der Fall. Und somit wurde Anfang 2010 eine Fusionsanalyse lanciert. Diese soll unter anderem die mittel- bis langfristigen Auswirkungen eines Zusammenschlusses aufzeigen. Nun biegt die Projektgruppe, in der Aegerter und Brügger Behördenmitglieder vertreten sind, auf die Zielgerade ein.

Voten aus beiden Lagern

Den ersten Schritt der Analyse haben vier Arbeitsgruppen beinahe abgeschlossen. Sie untersuchten die Auswirkungen in den Bereichen Organisation der Verwaltung, Identifikation, Finanzen sowie Bildung und Soziales. Am 20. März hatten die Gruppen mit Mitgliedern aus der Bevölkerung, der Verwaltung und Fachpersonen ihre erste Sitzung. In vier Monaten trafen sie sich bis zu sieben Mal. Die Fakten aus den vier Gruppen werden nun zusammengetragen.

«Wir wollten wissen, was die Brügger und Aegerter interessiert», sagt Aegertens Gemeindepräsident Stefan Krattiger. Er führte die Arbeitsgruppe Identifikation, in der Leute aus beiden Dörfern vertreten waren. «An der ersten Sitzung war die Gruppe in zwei Lager getrennt», sagt Krattiger, «die Brügger auf der einen, die Aegerter auf der anderen Seite.» Mit der Zeit hätte man sich aber gefunden und spannende Diskussionen geführt.

Trotz gemeinsamen Festen und Vereinen gebe es doch Unterschiede zwischen dem «kleinen» Aegerten und dem «grossen» Brügg. So ist Aegerten eher ländlich und Brügg mit seiner Industrie eher städtisch. «Wenn es heute eine Abstimmung geben würde, würde sie wohl ähnlich knapp ausgehen wie in Busswil», sagt Krattiger. Dort wurde die Fusion im März mit nur zehn Stimmen genehmigt. Die Gegner erhoben Einsprache, verloren aber den Fall vor dem Verwaltungsgericht.

«Die, die unsicher sind, sagen am Schluss eher Nein, schliesslich hat man ja zwei gut funktionierende Gemeinden», sagt Krattiger. Charles Krähenbühl, Gemeindepräsident von Brügg, sagt, er werde von beiden Lagern angesprochen. «Es gibt die Fusionsturbos, die unbedingt wollen, und die Gegner, die sagen, man solle das Thema ad acta legen.»

Reizthema Steuern

Krattiger will nichts beschönigen. «Nach einer Fusion würde wohl mehr Brügg als Aegerten vorhanden sein.» Deshalb sei es wichtig, dass die Aegerter sich in einer neuen Gemeinde wiedererkennen können, soll die Fusion eine Chance haben. «Wir wollen nicht sagen, es kommt schon gut, sondern aufzeigen, wie die Gemeinde nach einer Fusion aussieht», sagt Krähenbühl. So zeichnet sich ab, dass ein grosser Teil der Verwaltung in Brügg angesiedelt wäre. «Ob die Aegerter damit leben könnten, ist fraglich», so der Brügger Gemeindepräsident, «zwar gehen die wenigsten regelmässig auf die Verwaltung, aber man könnte, wenn man wollte, und das ist der entscheidende Punkt.» Um solche heiklen Fragen abzuklären, haben sich die beiden Gemeindepräsidenten bewusst Zeit gelassen (siehe Titelseite). «Wir wollen nicht denselben Kampf, wie ihn Lyss und Busswil erlebt haben», sagt Krähenbühl.

Neben dem Sitz der Verwaltung und der Identifikation mit der neuen Gemeinde sind auch die Steuern ein wichtiges Argument bei einer Fusion. Schliesslich erhoffen sich viele, durch einen Zusammenschluss zu sparen. Bei den beiden Gemeindepräsidenten gilt dies aber als Reizthema. «Wenn jemand nur wegen kurzfristigen Einsparungen Ja zu einer Fusion sagen will, dann soll er sie besser ablehnen», sind sich beide einig. «Das Sparpotenzial wird meist überschätzt.» Schliesslich könne plötzlich eine Firma schliessen, was wieder Einfluss auf die Finanzen habe, so Krähenbühl. Er weiss, wovon er spricht. Letztes Jahr musste er die Schliessung der Druckerei Weber-Benteli, einem der grössten Industriebetriebe in Brügg, verkraften. Bei einem Zusammenschluss sei es zudem so, dass sich die Gemeinde mit dem tieferen Standard anpasse. So beispielsweise beim Werkhof, der in Brügg mehr Dienstleistungen erfüllt als in Aegerten. Deshalb rechnet Krähenbühl «mit einem Nullsummenspiel».

Je nach Ergebnis der Machbarkeitsstudie, die Ende Jahr vorliegen wird, und der Meinung der Gemeinderäte müssen die Brügger und die Aegerter Stimmbevölkerung nächstes Jahr entscheiden, ob sie fusionieren möchten. Der

Kommentare (1)Add Comment
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geschrieben von gregorydomenic, 06. September 2012
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